Hoteldirektion und Familie – geht das, Sandra Schmidt?
Von der deutschen Hauptstadt in die Schweizer Berge – in den Schweizerhof Flims, um dort die Familiengeschichte weiterzuschreiben. Klingt romantisch, war es auch. Aber nicht immer. Und das ist auch gut so, weil es eben auch als Hoteldirektorin mit drei Kindern den einen oder anderen Engpass, den einen oder anderen Breakdown, den einen oder anderen Krankheitsfall gibt und nicht alles wie am Schnürchen weiterläuft. Was es aber immer auch gab und gibt: viele Highlights – mit den Kindern und mit den Gästen.

Sandra Schmidt ist Co-Hoteldirektorin des Schweizerhof Flims. Sie lebt mit ihrem Mann Christoph und ihren Kindern Nicolas (18), Matteo (16) und Emilia (10) in Flims.
schweizerhof-flims.ch
Text: Tadah
Bild: Tadah / Schweizerhof
Der Schweizerhof prangt hoch über Flims. Geschichtsträchtig ist er. Fast ein wenig ehrfürchtig wird man, wenn man durch die Tür tritt. Warst Du das auch, als Du 2003 das erste Mal hier hereingekommen bist?
Vor 21 Jahren kam ich mit meinem Mann, der damals bloss mein Arbeitskollege in einem 5-Stern-Hotel in Berlin war, und ein paar anderen aus unserem Team zum Skifahren nach Flims. Im Schweizerhof, seit jeher im Besitz der Familie meines Mannes, fand zeitgleich ein Cousinentreff der späteren Schwiegermutter statt. Ich landete also inmitten dieses Familientreffens…wo bereits über mich getuschelt wurde. Christoph hat aber erst später um mich gebuhlt – auf die Schweizer Art, mit Birchermüesli und Blümchen.





Im Sommer 2008 trat die vierte Generation mit Deinem Mann und Dir auf die Schweizerhof-Flims-Bühne. Was geschah vorher?
Ich habe eine klassische Hotelausbildung gemacht – man durchläuft alle Stationen der Hotellerie. Der damalige Direktor war mein Vorbild. «Wer aufhört, besser sein zu wollen, hat aufgehört, gut zu sein.» – da waren klare Leistungsanforderungen, aber es war alles auch sehr menschlich und es ging mehr darum, die beste Version seiner selbst zu werden und sich zu hinterfragen.
Danach war ich in Genf im Hotel du Rhône, dann in New York im Four Seasons. Dann Paris im Georges V. Dort konnten wir aus dem Vollen schöpfen. Da hat eine Kundin auch mal ein Hermès-Tuch für 500 Euro als Geschenk erhalten. Es gab anfangs auch kein Budget-Limit, das Ziel war: Begeistere die Gäste. An Ostern haben wir beispielsweise mal einen Rollrasen in den Innenhof gelegt und einen Bauernhof mit echten Hasen und Hühnern aufgebaut für die Kinder. Oder wir sind für Hochzeitsanträge aufs Dach geklettert samt Geigenspieler.
Und nach Paris?
Da wollte ich eigentlich weiter nach Buenos Aires, aber die Wirtschaftskrise hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Also ging ich, eigentlich nur als Zwischenstopp gedacht, nach Berlin ins Four Seasons. Dort habe ich dann auch «den Flimser», aka meinen Mann kennengelernt. Aus der Stippvisite wurden sechs Jahre, eine Heirat und ein Baby.

Nach dem Four Seasons ins Vier-Sterne-Hotel nach Flims. Ein Downgrade?
Ich hab mich schon gefragt, ein 4-Stern-Hotel, kann ich das? Wenn man immer versucht, Luxuswünsche mit Superlativen zufrieden zu stellen, kann man dann plötzlich auch anders?
Aber ich kam hierher und dachte «wow». Die Familiengeschichte weiterschreiben zu dürfen, das ist schon sehr cool. Hier ist mehr von Mensch-zu-Mensch als bei meinen früheren Stationen. Hier sind es manchmal sogar die Gäste, die uns Geschenke mitbringen.
Es sind die persönlichen Geschichten, die mich so sehr berühren.
Was wolltest Du ändern, damals, als Du noch nicht Hoteldirektorin warst? Und: Hast du das dann getan?
Meine Vision war, Yoga und Achtsamkeit hierherzubringen. Das habe ich schon vorher praktiziert. Und es war schon vorher in Berlin ein Traum von mir, den ganzheitlichen Aspekt in die Spa-Bereiche der Luxus-Hotellerie zu bringen. Mindfulness und aufrichtige, authentische, ganzheitliche Konzepte anstelle von Massagen als klassisches Konsumgut – das dachte ich schon damals, das wär’s. Wenn ich mich irgendwann mal irgendwo richtig einbringen kann, dann damit.

«Meine drei Arbeitstage habe ich versucht mit allen möglichen Modellen freizuhalten.»

Nicolas war 1 Jahr alt, als Du im Schweizerhof angefangen hast. Wusstest Du, was das Hotelleben für ein Leben für die Familie sein wird?
Ja. Aber ich habe schon auch gemerkt: Ich muss mich abgrenzen. Früher, in den Generationen vor uns, hat man als Mitglied der Besitzerfamilie mit den Kindern im Hotel gegessen. Das ging aber irgendwie nicht: Ich war es gewohnt, dass ich aufspringe, wenn ein Gast kommt. Das kommt aber nicht so gut, wenn man mit den Kindern am Essen ist. Auch hier war es eine Grätsche, die ich so nicht wollte. Also versuchten wir, uns zurückzuziehen. Meine drei Arbeitstage habe ich versucht mit allen möglichen Modellen freizuhalten. Klar war ich auch oft gestresst, habe die Kinder angeschnauzt, «Macht doch vorwärts, ich muss das und das noch erledigen….».
Gab es Dinge, vor denen du Respekt hattest?
Ich bin Einzelkind. Da so plötzlich in ein Familienunternehmen reinzukommen und das während der Hochsaison, das war schon nicht ohne. Da waren nicht nur die vielen Gäste hier oben, sondern auch meine Schwägerin mit Mann und Kindern, welche als Neu-Unterländer:innen auch in der Hochsaison Ferien hatten und nach Flims kamen, zudem mein Schwager und meine Schwiegermutter – alle vereint in einem Haus. Ich selbst war busy mit meinem Kind und gleichzeitig busy im Hotel. Da habe ich schon etwas Mühe gehabt, das alles auf die Reihe zu kriegen.




Habt Ihr zusammen im Schweizerhof angefangen zu arbeiten?
Wir kamen damals nur nach Flims, weil mein Mann die Möglichkeit hatte, bei der Weissen Arena in der Geschäftsleitung anzufangen. Im Hotel war er nur im Hintergrund tätig. Erst jetzt, viele Jahre später, als er in der Weissen Arena aufgehört hat und wir die Direktion des Schweizerhofs gemeinsam abdecken, arbeiten wir wieder so richtig zusammen.
Momentan kandidiert er gerade für den Job als Gemeindepräsident. Und hat auch sonst noch einige Consultant-Aufgaben in diversen Firmen. Aber er ist mehr vor Ort als früher. Das ist ein total anderes Gefühl, wenn man täglich zusammen hier ist.
Das Alltägliche lastete also zumindest gefühlt anfangs auf Deinen Schultern?
Es war mein grosser Balanceakt. Und ich war oftmals auch am Verzweifeln. Wäre es nicht unser Familienbetrieb gewesen, hätte ich es vielleicht nicht durchgezogen, ich hätte es manches Mal gerne hingeschmissen.
«Wenn ein Kind krank wurde, hatte ich ein Problem: Mein Mann war ja nicht hier. Ich konnte ihn nicht anrufen und er sprang ein.»
Zwei weitere Kinder kamen hinzu. Kannst Du also sagen: Das Hotelleben ist mit dem Familienleben vereinbar?
Meine Schwiegermutter hat abgepuffert, wenn es doch länger ging. Zusätzlich habe ich vieles ausprobiert: Nannys, Tagesmuttermodelle oder Kita. Bloss: Wir mussten für die Kita nach Ilanz fahren. Das war alles andere als zeitsparend. Und wenn ein Kind krank wurde, hatte ich ein Problem: Mein Mann hatte seinen Arbeitsmittelpunkt in Laax und einen straff durchgetakteten Tag. Ich konnte ihn nicht anrufen und er sprang kurzfristig ein. Manchmal hatte ich das Gefühl, diesmal schaffe ich es nicht, alle Bälle in der Luft zu halten. Aber zum Glück hatte ich da schon diese Kraft der Natur gespürt und so meine Batterien wieder aufgeladen.
Die da wäre?
Einmal war ich so wütend, so müde, so entnervt, dass ich rausging, die Tür hinter mir zuschlug und mich barfuss draussen wiederfand. Also bin ich halt ohne Schuhe in den Wald. So hab ich das Barfusslaufen für mich entdeckt. Der Waldboden nimmt so einiges auf und erdet herrlich.
Ich gehe morgens oft mit dem Hund durch den Wald. Und wenn ich wirklich ausgelaugt bin, dann komme ich manchmal zu spät zur Arbeit, weil ich zu lange am Moos rieche. Man nennt mich schon die Moosfrau. Lacht.



Von der ersten kleinen Badehütte am Caumasee im Jahre 1880 über das noble Seebad der Belle Epoque bis hin zum modernen Schweizerhof Badehaus auf 750 Quadratmeter: Wellness im Einklang mit der Natur hat in Flims eine lange Geschichte. Mit dem ganzheitlichen Berg- und Waldspa Badehaus schlagen wir ein neues Kapitel auf. Freuen Sie sich auf ein andauerndes Wellness- und Badeerlebnis für Körper, Geist und Seele; mit Saunen- und Badelandschaft, Pergola, Yoga-, Meditations- und Massageangeboten und allem Drumherum. Ein Wellnesserlebnis, wie es im Buche steht. schweizerhof-flims.ch
Wenn sie Mütter werden, ziehen sich viele Frauen aufgrund der Arbeitszeiten aus der Gastronomie und Hotellerie zurück. Leidet die Branche, wenn es ums Thema Familienfreundlichkeit geht?
Wir haben einige Mütter beschäftigt. Das Tolle: Sie geben 150%, wenn sie bei der Arbeit sind. Wenn ihre Kinder grösser werden, erhöhen sie oft auch ihr Pensum. Wir müssen halt einen guten Mix fürs Team schaffen. Peggy arbeitet beispielsweise im Juli zwei Wochen nicht und auch nicht zwischen Weihnachten und Neujahr. Den anderen sage ich immer: Ihr müsst nicht neidisch sein, seid lieber froh, wenn Ihr später, wenn Ihr Mütter/Väter seid, auch so einen Betrieb findet.
Wie steht es um die Vereinbarkeit in der Schweiz für dich als Deutsche?
Es ist schon brutal: Wir persönlich haben viele Möglichkeiten, aber ich sehe die Mamas, die ihren Lohn direkt an die Kita weitergeben. Da wünsche ich mir, dass der Staat die Mütter besser schützt. Bei uns war durchs Familienunternehmen klar, dass ich weiter dabei blieb – ohne längere Auszeiten. Aber ich sehe, was das bei anderen heisst.
Wir hatten Unterstützung von unserer Familie direkt im Haus. Viele hier oben kommen aus anderen Ländern und sind auf die Kita angewiesen. Wir haben mittlerweile eine tolle Kita in der Gemeinde, aber mit den Arbeitszeiten in der Hotellerie sind sie dennoch nicht immer kompatibel, geschweige denn, wenn ein Kind krank wird.
Menschen kommen hierher, um sich zu erholen. Du wiederum kannst das hier nicht. Oder doch?
Ich versuche es. Es ist und bleibt eine Herausforderung im Gleichgewicht zu bleiben.. Es ist ein Paradoxon, Achtsamkeit und Erholung zu predigen, aber selber auch gestresst zu sein.
Genauso wie die Menschen, die hierher kommen, um sich auszuruhen, habe ich meine Ruheinseln.
Yoga, Meditation, Buddhismus, Natur – dort hole ich mir wieder meinen Ausgleich. Und wenn ich mit unseren Gästen zum Shinrin Yoku in den Wald geh oder eine Meditation anleite, dann bin ich danach mindestens genauso entspannt wie die Teilnehmenden. Wenn ich zu lange im Büro sass oder genervt bin, mache ich meist eine Runde im Restaurant und rede mit unseren Gästen. Das ist nämlich das Schönste an meiner Arbeit. Der persönliche Austausch, die vielen Geschichten und das direkte Feedback. Auch den Austausch mit den Lernenden finde ich total bereichernd. Die Jungen auf ihrem Weg zu begleiten, ist schon etwas ganz Besonderes.

Irgendwie von allem etwas. Wir puffern in der Hochsaison überall, wo es knapp wird. Von der Rezeption, dem Service bis zum Beladen der Waschmaschinen – Hotellerie ist «hands-on» das macht es auch (meist) so schön und abwechslungsreich. Die Führungsaufgaben haben sich verändert, es wurde schleichend mehr. Als die letzte Betriebsleitung ging, haben wir es mit anderen Modellen versucht – da habe ich mich teils nicht genug abgegrenzt. Seit mein Mann vermehrt da ist, teilen wir uns die Aufgaben auf, er kümmert sich um Finanzen und F&B. Ich kümmere mich um die personellen Dinge, Rezeption, Hauswirtschaft und PR sowie den Wellness- und Achtsamkeitsbereich. Mittlerweile haben wir ein wunderbares Team, auf das Verlass ist und auch mal gut ohne uns auskommt.
Kann man gastfreundlich sein, wenn man drei Kinder hat, die Nächte teils nicht durchschlief und am Tag immer auf allerhöchstem Niveau abliefern muss?
Ja sicher, es ist ja auch eine schöne Möglichkeit, den Kopf zu lüften und ausserhalb der Familie seinen Wunschberuf auszuüben. Das direkte Feedback der Gäste, der Austausch mit Menschen, berührende Geschichten, all das nährt und macht Freude. Allerdings gab es natürlich auch Herausforderungen, als die Kinder noch klein waren. Ich kam von einem geschäftigen Hoteltag heim und die Kinder waren fremdbetreut. Wenn sie tagsüber glücklich waren, so war es kein Problem. Aber wenn es kriselte, dann wartete natürlich noch ein weiteres Gefecht daheim – das war echt stressig, da kam ich an meine Grenzen. «Mache ich das Richtige?», habe ich mich gefragt.
Im Nachhinein würde ich mittlerweile darauf bestehen, mehr Unterstützung zu haben und ein kleineres Pensum. Damit man präsenter sein kann. Meine Energie hat einfach nicht immer gereicht.
Jetzt wüsste ich, wie es geht: Beim dritten Kind habe ich es gecheckt. Der Schlüssel ist wirklich, im jetzigen Moment voll präsent zu sein. Wenn ich bei den Kindern bin, versuche ich mich auf die Kinder zu konzentrieren und für sie da zu sein, das Handy wegzulegen und nur im Notfall Anrufe entgegenzunehmen. Dafür versuche ich, wenn ich arbeite, möglichst auch präsent für die Anliegen der Mitgastgeber:innen und Gäste zu sein.
Damit ich ausgeglichen und zufrieden bin, habe ich gelernt, mir ganz bewusst Zeit für mich zu nehmen. Da das tagsüber kaum möglich ist, stelle ich meinen Wecker zwischen 5 und 5.30 Uhr, so habe ich garantiert Zeit für mich. Die Me Time fülle ich jeden Morgen mit Meditation, Yoga und Buddhistischer Praxis. Auch wenn ich dafür etwas weniger Schlaf bekomme, fühle ich mich stärker, energiegeladen und geerdet – und vor allem: Ich bin dem Tag voraus. Danach bin ich bereit für die Familie, Mitarbeitende und Gäste.
Aber natürlich gelingt das in der Therorie besser als oftmals in der Praxis – da reicht manchmal eine unausgeräumte Spülmaschine oder ein Haufen Socken neben dem Wäschekorb, um die Praxis ins Wanken zu bringen.

Was denkst Du, wie sehen Dich Deine Kinder?
Früher wahrscheinlich als vielbeschäftigt. Als crazy, oft mit anderen Ansätzen als die meisten Eltern, besonders in Bezug auf Gesundheit, vielleicht teilweise auch als impulsiv und stur. Da habe ich sicher oft viel von ihnen abverlangt. Wenn wir unterwegs sind und Zeit zusammen verbringen, machen wir verrückte und lustige Dinge, oft in Wald und Natur. Einmal waren wir beispielsweise wandern. Wir liefen los, wir vier, ohne Picknick. Ich dachte, wir gehen bloss um die Ecke. In Tat und Wahrheit waren wir aber stundenlang auf den Segnesböden am Spielen. Irgendwann bekamen die Kinder Hunger, es wurde kalt, alle Restaurants hatten zu… und wir begannen einen steilen Abstieg. Das hätte ins Auge gehen können, aber wir waren alle so vertieft in die Natur, ins Spiel, wir vergassen schlicht alles um uns herum.
Eines ist wichtig und klar: Meine Kinder wissen: Wenn es drauf ankommt, bin ich da. Ich denke, dass es auf die schönen Momente ankommt, die wir miteinander verbringen. Momente, in denen wir ganz bewusst etwas machen. Ein Spiel nach dem Abendessen, Vorlesen, Badi, Picknick im Wald– viel mehr als auf ständige Präsenz. Wir haben eine kleine Zubettgeh-Tradition, bei der wir uns von den drei schönsten Momenten des Tages erzählen, etwas worauf sie stolz sind und etwas was sie anders gemacht hätten. Hier höre ich dann, was für sie bleibende Momente des Tages waren. Oft sind es nicht die grossen, ultimativen Erlebnisse, sondern ganz bewusst gemeinsam erlebte Dinge. Und solche Momente liegen immer drin, auch an einem strengen Arbeitstag.



«Bei einem Pressetermin habe ich den Jungs gesagt, sie sollen sich selbst beschäftigen. Was sie auch haben: Sie haben so viele Trinkhalme zusammengesteckt, dass sie aus drei Meter Entfernung in mein Glas reichten.»
Ihr betreibt ein sehr geschichtsträchtiges Haus. Mit geschichtsträchtigen Familienerlebnissen?
Es gibt so viele Geschichten. Ich hatte beispielsweise einen Pressetermin und habe den Jungs gesagt, sie sollen sich selbst beschäftigen. Was sie auch haben: Sie haben nämlich so viele Trinkhalme zusammengesteckt, dass sie aus drei Meter Entfernung in mein Glas reichten. Ich bin dezent ausgeflippt. Lustig war auch, wenn sie im Pyjama irgendwo im Hotel aufgetaucht sind. Oder als wir eine Yoga-Klasse hatten, meine Schwägerin aus dem Fenster guckt und Kinderfüsse baumeln sieht – was rannten wir schnell auf die Dachterrasse… die ganze Entspannung war natürlich dahin. Sie haben schon viel Seich gemacht, die Kinder.
Woran sollen sich Deine Kinder erinnern?
Da gibt es so vieles. Zum Beispiel wie sie von klein auf mitgeholfen haben im Hotel – sie haben Apérohäppchen und Getränke serviert am 1. August oder an Silvester. Sie gehörten einfach dazu.
Oder wie sie sich nach der Schule in der Hotelbar einen Cocktail shaken durften und dann in der Bar gleich auch ihre Hausaufgaben machten – samt heimlichen Chips-Knabbereien, statt die Äpfel zu essen, welche ich hinstellte.
Oder wie sie unzählige Kindergeburtstage im Hallenbad gefeiert haben. Oder wie wir im geschlossenen Hotel eine Halloween-Grusel-Schnitzeljagd machten. Dazu kamen legendäre Übernachtungspartys im Bankettraum.
Was fehlt dir manchmal im (Hotel-)Leben?
Die Flexiblität. Oder, die normalen Freund:innen zu sehen. Jene, die nicht in der Hotellerie arbeiten. Alles andere ist da. Wir haben so viele Vorteile und Freiheiten. Wir haben uns alles hierhergeholt, was uns fehlte.



Sandras wichtigste Vereinbarkeits-Tipps für Tadah Leser:innen:
1. Unbedingt Mini-Inseln schaffen. Nicht einmal in der Woche, sondern jeden Tag. Sei es eine Yoga-Stunde oder sonstwas. Diesen Termin unbedingt im Kalender blocken.
2. Präsent sein im Moment. Und dafür Mini-Achtsamkeitsübungen machen. Fühl Dich bloss nicht schuldig, wenn Du Dich mal entspannst.
3. Gib Dinge nicht auf, bei denen Du denkst, Du kannst sie dir momentan nicht erlauben. Denn es ist das Lebenselixier, das Dich viel schneller beglückt und bereichert und stärkt, als drei Tage Auszeit irgendwo. Wenn du Mini-Inseln schaffst, wenn Du meditierst, ist das wie ein Reset.
4. Riech am Moos. Moos macht glücklich, zieh Dir das Serotonin rein. Lacht.


