Geht Vereinbarkeit mit einem Unternehmen wie Motel a Miio, Anna von Hellberg und Laura Castien?

Laura Castien und Anna von Hellberg haben gemeinsam mit ihren damals einjährigen Kindern und ihren Partnern das mittlerweile stark florierende Unternehmen Motel a Miio gegründet. Eine Gründergeschichte, wie sie eben nicht im Buche steht und genau deshalb so spannend ist. Wir haben mit ihnen über Keramik, Kinder und Karriere gesprochen. Und darüber, weshalb es irgendwann doch wichtig war, eine Ruhepause einzulegen.  

 

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Anna von Hellberg (l) und Laura Castien (r) mit ihren beiden Lieblingsstücken von Motel a Miio. Sie leben gemeinsam mit Mann/Partner und Kindern in München. 
motelamiio.com

Text: Tadah
Bild: Tadah

Tadah: Die Geschichte von Motel a Miio ist eine Geschichte von Freundschaft, Elternschaft, Urlaub und Erfolg. Stimmt die Reihenfolge?

Laura: Wir waren 2016 zusammen mit unseren Partnern im Familienurlaub in Portugal. Dort haben wir aus sehr schönen Tellern gegessen und waren neugierig, wo diese Teller herkommen. Tatsächlich wurden sie gar nicht so weit von dem Ort produziert, an dem wir urlaubten. Also fuhren wir dorthin und waren total begeistert. Diese Begeisterung und ganz viel Geschirr haben wir dann mit nach München getragen. Wir haben unseren ersten Pop-up-Sale gemacht – so kam es zu Motel a Miio. Eine spontane Urlaubsidee, ein Gefühl, das sich in eine Firma entwickelte.

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«Wir haben nie gesagt: Jetzt nehmen wir zwei Millionen in die Hand und machen da was draus, stellen 30 Läden hin und werden reich.»

Laura: Es ging alles relativ schnell, aber wir wuchsen auch sehr organisch. Wir haben nicht gesagt: Jetzt nehmen wir zwei Millionen in die Hand und machen da was draus, stellen 30 Läden hin und werden reich.

Die Reihenfolge war eher: erster Pop-up, zweiter Pop-up, erster Laden, zweiter Laden, dritter Laden. Erste Kollektion in sechs Farben, zweite Kollektion, dritte Kollektion.

Und so weiter. Wir haben uns peu a peu nach vorne getastet, haben uns – bis auf ein einziges Mal – nie Geld geliehen, sind somit immer mit dem gewachsen, was wir verdient haben.

Anna: Zu Beginn haben wir alles selbst eingepackt, böse Kundennachrichten beantwortet, wenn mal ein Paket in Scherben geliefert wurde und dann gelernt, wie man es richtig macht. So entstanden unzählige Learnings.

Und nach unzähligen Learnings die 30 Läden – in Deutschland, Österreich, der Schweiz, in den Niederlanden und Dänemark. Bald auch in Belgien. Geht es noch weiter?

Anna: Ja, definitiv. Die Benelux-Länder sollen weiter ausgebaut werden. Zudem gehen wir nach Italien.

Das grosse Wunschziel: New York erobern.

Sind Eure Rollen mit der Firma mitgewachsen?

Anna: Anfangs haben alle alles gemacht. Irgendwann haben wir uns dann auf Rollen geeinigt. Um ehrlich zu sein, haben wir unsere ursprünglich verteilten Aufgabengebiete wahrscheinlich zu sehr beibehalten. Zuerst haben wir geschaut, wer was macht, wer was kann. Wir hätten wohl nach ein paar Jahren mal schauen sollen, ob alle noch zufrieden sind. Ob jemand sich umorientieren möchte innerhalb des Unternehmens. Im Nachhinein ist es schade, dass wir alle auf unseren Stühlen geklebt sind.

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«Wir hatten unsere Rollen, die mussten wir ausfüllen.»

Laura: Das Problem war anfangs auch, dass wir dauernd unterbesetzt waren. Wir hatten unsere Rollen, die mussten wir ausfüllen. Es war keine Zeit, da noch irgendwas Anderes oder Zusätzliches zu machen.

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Laura: Unsere ersten Kinder, Ava und Johanna, sind ungefähr gleich alt. Im erwähnten ersten Portugalurlaub waren sie beide jährig. Die Elternzeit war gerade vorbei, Anna wollte wieder in ihren alten Job einsteigen und ich selbst hab mir überlegt, was ich anderes machen kann in meinem Leben. Und dann kam Motel a Miio. Und hat unsere Zeit recht schnell in Anspruch genommen.

Anna: Ava und Johanna haben Motel a Miio mitgeprägt. Ich erinnere mich beispielsweise an die erste Lieferung der Motel a Miio-Aufkleber in unser Lager. Die Kleinen haben geholfen, die Tassen zu bekleben.
Meine Tochter sagt jetzt schon allen Hotels Motels. Sie lebt das richtig mit. Für sie gibt es keine Familie ohne Motel a Miio. Es gab für sie keine Zeit, in der die Mama nicht gearbeitet hat.

Sie lieben es, in die Firma zu kommen und sind irgendwie richtig stolz, wenn sie über ihre Mamis erzählen. Mein Kleinster kam dann mittendrin auf die Welt.

Aufstrebendes Unternehmen und je zwei Kinder – das klingt nach einem Kraftakt?

Anna: Das war es manchmal. Ein Beispiel: Wir sind mit dem Zug jeweils an die Eröffnungen der Stores gefahren, haben dann nachts in den Hotels gestillt. Es war schön, dass die Kinder dabei waren. Aber rückblickend muss man auch sagen: Wenn die Aufmerksamkeit auf drei Dingen liegt, dann geht halt auch viel verloren.

Gott sei Dank war Laura in derselben Situation. Wir konnten uns die anstehende Arbeit beide selbständig einteilen. Und hatten untereinander auch immer Verständnis.

Laura: Wenn wir länger arbeiteten, dann mussten die Männer zuhause ran. So war einer auf dem Pop-up, der andere zuhause. Und die Omas und Opas waren sowieso alle voll eingespannt.

«Wir haben alle mehr gearbeitet, als wir vordefiniert hatten.»

Habt Ihr Eure Pensen irgendwann aufgestockt oder eher reduziert?

Laura: Wir haben unsere Pensen schon am Anfang festgezurrt. Konkret haben wir uns selbst angestellt bei der Firma, haben uns stündlich und vertraglich eingeteilt, damit wir eine Guidance haben. Eins ist aber klar: Wir haben alle mehr gearbeitet, als wir vordefiniert hatten.

Anna: Klar, haben wir in gewissen Zeiten, zum Beispiel vor Weihnachten, unserer Hauptsaison, nachts bis zwei oder drei Uhr am Computer gesessen. Aber das ist immer nur eine begrenzte Zeit. Danach ist es wieder entspannter.

Wie steht es um Eure Freundschaft? Nicht jede Freundschaft hält so eine Geschäftsbeziehung aus.

Beide lachen.

Laura: Würden wir es nochmals so machen? Ich glaube, es ist nochmals etwas anderes, wenn man auch freundschaftlich verbandelt ist. Wir haben es ganz gut gemeistert, oder?

Anna: Es ist schön, Arbeitskolleg:innen kennenzulernen und Freund:innen zu werden. Andersherum find ich es ein bisschen schwieriger. Man kennt sich anders. Man hat Momente, da denkt man: «Ah, okay, so tickt die in der Situation.» Nicht, dass ich jetzt viele Beispiele hätte, aber man lernt sich nochmals anders kennen. Das Zurückfinden und das Behalten einer Freundschaft ist glaube ich etwas, das Arbeit benötigt.

So auch, die nötige Distanz reinzubringen, wenn man sich räumlich ständig sieht. Wichtig ist, dass man trotzdem hin und wieder etwas zusammen macht, das nichts mit dem Geschäft zu tun hat. Das ist und war nicht einfach. 

Laura: Durch die Männer haben wir uns nochmals eine schwierigere Situation ausgesucht. Die waren ja auch noch involviert. Wir waren somit nicht nur zwei Freundinnen, sondern auch zwei Paare.

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«Wir hatten das perfekte Lockdown-Produkt: Ein Urlaubsprodukt für Zeiten, in denen man nicht in Urlaub fahren durfte.»

Anna: Wir hatten Corona-technisch ein Superprodukt. Die Leute durften nicht weg und haben es sich zuhause schön gemacht. Ein Urlaubsprodukt für zuhause. Das war perfekt.

Es gab also einen Corona-Effekt?
Wir waren markentechnisch sehr gut aufgestellt und hatten schon eine gewisse Bekanntheit. Corona hat zumindest online alles sicher noch etwas befeuert.

Kurz nach dem Lockdown habt Ihr in diversen Städten weitere Shops eröffnet, während sich alle anderen fast ausschliesslisich auf das Online-Business konzentrierten.

Laura: Der Shift aufs Online-Business war auch bei uns krass. Aber wir waren ja schon sehr gut aufgestellt und mussten einfach gewisse Marketingaktivitäten etwas schärfen. Das Problem war eher: In jedem Land waren die Corona-Gesetze, -Verbote und -Einschränkungen wieder anders. Gewisse Läden durften wir wieder öffnen, andere nicht. Diese Schliessungen waren finanziell natürlich nicht ganz ohne, aber die Personalproblematik war noch schlimmer: Auch hier galten für alle Länder andere Regeln. Die Leute auf den Arbeitsämtern kannten mich dann irgendwann alle. 

 

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Welche Tipps gebt Ihr anderen Gründer:innen für Wachstum?
Wir hatten das Glück, ein funktionierendes Produkt zu haben und unser am Anfang wichtigstes Tool: den Pop-up-Sale, mit dem wir Cash fürs weiteres Wachstum generieren konnten. Dies funktioniert natürlich nicht bei jedem Produkt.

«Organisch wachsen ist sicherlich immer safe.»
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Anna: Unsere Online-Marketing-Ausgaben sind jetzt viel grösser als noch vor fünf Jahren. Unsere Awareness war damals fast geschenkt. Instagram war ein Stalker- und kein Marketing-Tool. Das ist heute wesentlich schwerer. Ich frage mich manchmal, ob man nicht wieder zurück zur Litfasssäule gehen sollte. Spass beiseite. Fakt ist: Es ist halt alles teurer geworden – viele Läden machen zu, alle wollen online verkaufen… trotzdem glaube ich: Organisch wachsen ist sicherlich immer save.

Musstet Ihr mal mutig sein?

Laura: Es war schon ein sicheres Wachstum mit Motel a Miio. Mutig war aber sicher der erste Store für drei Monate. Das war richtig viel Miete jeden Monat. Vorher waren es immer nur Pop-ups für drei Tage. Aber ein Laden bedeutet auch Präsenzzeit: Jeden Morgen muss jemand auf- und zuschliessen. Es war ein richtiger Laden, kein kleiner, bei dem du selbst entscheidest, wann du aufmachst.

Anna: Da wir damals nicht viele waren, war es natürlich immer eine:r von uns, die oder der einspringen musste, wenn mal jemand ausfiel im Laden. Einer der Jobs, der am meisten Spass macht, ist aber seit Beginn, auf der Verkaufsfläche mit den Leuten zu interagieren. Gegen Ende war es schade, dass wir den Kontakt mit den Kund:innen nicht mehr in dieser Form hatten.

Was sind Eure Unternehmerinnen-High- und Lowlights?

Laura: Ein Highlight ist, wenn man ein Bedürfnis erkannt und sich dann auch mit einer Lösung darum gekümmert hat.  

Anna: Oder unsere Fotostrecke in der Women at work mit allem Pipapo. Da haben wir gecheckt: Wow, da hat uns jemand in Szene gesetzt, weil wir sowas Cooles machen. Das ist einem selber ja nicht so bewusst, weil man immer im „Mach-Modus“ ist.

Laura: Oder bei unserem Sommerfest – es war so schön zu sehen, dass alle Mitarbeiter:innen gekommen sind – vom Lager- bis zum Store-Manager. Alles tolle Leute, die hinter unserer Marke stehen.

Anna: Oder einfach mal eine Kundin oder einen Kunden zufriedenstellen, das ist auch ein Highlight.

«Man kommt an seine Grenze, etwas läuft scheisse und man versucht, es das nächste Mal besser zu machen.»

Dass ihr jetzt über 30 Motel a Miio-Läden aufgemacht habt in verschiedenen Ländern… das ist ja schon eine krasse Erfolgsgeschichte. 

Laura: Crazy. Wir haben mittlerweile ein vierköpfiges Retail-Team samt Retail-Manager und sind im Alltagsgeschäft unserer Läden gar nicht mehr so involviert. Es wurde etwas abstrakt. Erst, wenn wir dann all unsere Mitarbeiter:innen auf dem Sommerfest sehen, wird uns bewusst, wie gross wir nun schon sind. 

Bei so viel Erfolg, gab es da auch Grenzen, an die Ihr als Mütter und Unternehmerinnen gestossen seid?

Laura: Oh ja. Zum Beispiel beim ersten Lockdown, alle Kitas hatten geschlossen. Eine Mitarbeiterin kündigte und ich war ganz alleine. Dann ging der Online-Shop so richtig krass ab. Das spiegelt sich natürlich auch in der Anzahl E-Mails wider. Zu guter Letzt war unser Lager geschlossen wegen Corona.

Anna: Es waren Phasen. Zum Beispiel vor Black Friday oder vor Weihnachten. Das war dann teilweise schon heftig, der Workload. Aber: Es geht immer irgendwie weiter. Man kommt an seine Grenzen und man macht es im nächsten Jahr vor Weihnachten besser, man hat mehr Leute, die mithelfen, man versucht, Prozesse zu optimieren etc.

Laura: Es kam alles so nach und nach, und wenn man aufmerksam war und es entsprechend optimierte, dann ging es irgendwie. Aber um ehrlich zu sein: Die Kinder, Essen das gekocht oder bestellt werden musste, das wahnsinnige Multitasking die ganze Zeit, da fiel ich abends ins Bett und schlief sofort ein.

 

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Würdet ihr über diese Zeit mit Motel a Miio und Kindern sagen: Vereinbarkeit haben wir hingekriegt oder eher: Hey, das war schon krass.

Laura: Beides. Wir haben es gut hinbekommen mit familiärem Support. Wir haben es uns gut eingeteilt, damit wir auch viel Zeit mit den Kindern hatten. Jedes zweite Wochenende waren wir beruflich eingespannt und damit weg, haben dann aber geschaut, dass wir unter der Woche wieder mehr Kinderzeit haben. Prinzipiell ist es jetzt aber auch schön, wieder ein bisschen mehr Zeit zu haben respektive ihnen wieder unsere volle Aufmerksamkeit zu schenken. Und auch uns selbst.

Anna: Es ist irgendwie schön, sich nicht so durchs Leben zu buddeln, nicht mehr so rastlos zu sein. Ich hab beispielsweise unsere Social Media-Kanäle lange betreut, bin immer abends ins Bett und habe bis Mitternacht Insta gecheckt, morgens als erstes ebenso. Das muss so nicht sein.

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Erster Motel a Miio-Laden.
In München.

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«Es war auch gut, Beruf und Familie etwas zu entzerren.»

Jetzt habt Ihr Euch operativ zurückgezogen. Was war die Motivation dazu?
Laura: Ich hatte schon länger den Drang, wieder etwas Kreativem nachzugehen. Jetzt habe ich Zeit, mich wieder der Kreativität zu widmen. Wer weiss, was es wird; ein Blumenladen? Lacht. Auf jeden Fall etwas Einfaches, etwas mit den Händen, dahin zieht es mich.

Anna: Ich war total erschöpft. Das klingt jetzt so dramatisch, aber wenn die Motivation ausgeht, dann ist man vielleicht auch einfach erschöpft. Es war dann einfach auch gut, gewisse Dinge anderen zu überlassen, die das besser können, die Profis sind.

Laura: Du fängst als Start-up an, jede:r macht alles. Dann wird das Unternehmen grösser, es kommen mehr Leute und du wanderst automatisch in der Hierarchie nach oben. Das entsprach irgendwie nicht meinem Gemüt. Die Anna kann das viel besser.

One step back?
Anna: Nein, eher seitwärts. Ich gebe jetzt gern als Gründerin etwas mit rein ins Geschäft, aber ich muss nicht mehr täglich mitwursteln. Und es war auch gut, Beruf und Familie etwas zu entzerren, das war alles sehr eng verwoben. Ich hatte schon manchmal das Gefühl, viele Jahre verpasst zu haben, nicht gelebt zu haben mit den Kindern. Jetzt wo ich es mir leisten kann, will ich es auch geniessen.

Manchmal ist der Gründeridealismus auch hinderlich, um zu wachsen. Man hängt da so emotional drin und ist befangen.

Motel a Miio 2.0: Würdet Ihr nochmals etwas so aus dem Boden stampfen?
Laura: Eine Idee haben, etwas finden und aufziehen, das hat schon seinen Reiz – wenn man es dann auch wieder abgeben kann. Aber jetzt ist die Zeit schwieriger als damals. Der Markt dünkt mich gerade sehr übersättigt. Aber vielleicht ist das nur so ein Gefühl von mir …

Was macht Euch glücklich?

Laura: Portugal macht mich glücklich. Überhaupt das Reisen und inspirierende Orte. Aber auch das Kreative: Häkeln, Sachen von Hand machen, malen, töpfern und lesen. Sachen, bei denen ich danach etwas in der Hand habe, bei denen ich sehe, wo meine Zeit reinfloss. Deshalb macht Instagram gar nicht glücklich.

Anna: In Gesellschaft zu sein, das macht mich glücklich. Jetzt, wo ich wieder mehr Zeit habe, überlege ich mir natürlich, was ich mit der vielen Zeit machen soll. Da war eine Zeitschrift mit 30 Tipps, die glücklich machen. Zum Beispiel, jeden Tag etwas Kleines zu malen etc. Da waren ungefähr 25 Tipps darunter, die ich tatsächlich gerne angehen würde.

Annas und Lauras wichtigste Start-up-Tipps für Tadah Leser:innen:
1. One step at a time: Du merkst selbst, wenn der Moment kommt und dass etwas verändert werden muss.
2. Hör auf Dein Bauchgefühl und bestätige es zusätzlich mit Tipps von Profis / von aussen.
3. Hol Dir Hilfe, vernetze Dich und sei nicht zu schüchtern.
4. Achte trotz allem Stress auf Deine Gesundheit.